Wer glaubt, dass es sich bei der Visitenkarte um eine neumodische Erscheinung handelt, der irrt. Es wird gemunkelt, dass erste Visitenkarten bereits am Hof des legendären Sonnekönigs auftauchten. Ludwig XIV. (1638 – 1715) hielt in Versailles gerne und häufig Hof und bei all dem lebhaften Treiben war es unmöglich, noch einen Überblick über die illustre Gesellschaft zu behalten. Visitenkarten, die dem Zeremonienmeister überreicht wurden, sorgten für einen besseren Überblick – wer auf diese geniale Idee kam, ist allerdings nicht überliefert. Die praktischen kleinen Kärtchen traten ihren Siegeszug durch Europa an und schafften es sogar über den großen Teich. Die Amerikaner waren es dann auch, die den Wert der Visitenkarte im Geschäftsbereich erkannten. Eine schicke Visitenkarte, elegant überreicht, erleichtert die Kontaktaufnahme und sorgt dafür, dass man nicht so schnell in Vergessenheit gerät. Allerdings können einen Visitenkarten ebenso schnell zum Gespött machen – wenn die Motivauswahl suboptimal ist oder die Karte schlichtweg so aussieht, als wäre sie am heimischen PC ausgedruckt worden.
Fest steht: Die kleinen Kärtchen gehören heute zum guten Ton und sind längst nicht mehr nur Geschäftsleuten oder Selbstdarstellern vorbehalten. Selbst coole Schulranzensets für den Nachwuchs bestehen nicht mehr nur aus der passenden Federtasche und dem dazugehörigen Turnbeutel. Wer mag, ordert gleich noch Sticker oder Visitenkarten mit dem Motiv, das auch den Schulranzen ziert. Doch wie sieht sie aus, die Visitenkarte, die weder zu viel noch zu wenig Kreativität oder Individualität zeigt? Das, was für private Zwecke durchaus in Ordnung ist, kann im Beruf schnell unprofessionell wirken.
Für private Visitenkarten hat sich ein Trend herauskristallisiert und der besagt: erlaubt ist, was gefällt. Bezüglich Farben und Design kann hier aus den Vollen geschöpft werden. Die ideale Visitenkarte spiegelt ein wenig von der Persönlichkeit ihres Besitzers wider. Wer es dezent und zurückhaltend mag, wählt vielleicht einen filigranen Schriftzug und ein schlichtes Muster. Romantische Zeitgeister finden Gefallen an pastelligen Farbtönen und einem verspielten Hintergrundmotiv, während es Extrovertierte eher zu kräftigen Farben und markanten Mustern und Schriftzügen zieht. Im Beruf gilt: weniger ist mehr. Hier dient die Visitenkarte nicht als Beweis der persönlichen Kreativität, sondern schlichtweg als Transportmedium für die wichtigsten Kontaktdaten, die potenzielle Geschäftspartner interessieren. Das Design ist klar und schlicht und mehr noch als bei den privaten Modellen kommt es hier auf Wertigkeit an. Wer geschäftlich allerdings oft in Osteuropa oder Amerika zu tun hat, kann vornehme Zurückhaltung vergessen und die Visitenkarte als Statussymbol betrachten.Gleichgültig, ob die Visitenkarte nun privat oder geschäftlich genutzt wird, gibt es allerdings eine Gemeinsamkeit: das Format. So kreativ die Gestaltung auch sein darf, so klassisch ist im Idealfall das Format. Denn was hilft die schönste Visitenkarte, wenn sie niemand ins Portemonnaie bekommt?