Aktuelle Entwicklungen an der Börse, gibt es so etwas wie eine Moral beim Handeln?

Turbulente Kursbewegungen an den Weltbörsen sorgen in den letzten Tagen und Monaten für Spannung, Enttäuschung, Entrüstung, Verzweiflung und Hoffnung. Jeden Tag müssen neue Begründungen über die Medien verbreitet werden, die als Erklärung für die Vorgänge herhalten sollen. Die Frage steht immer wieder im Raum, ob eine Moral oder Ethik in den Vorgängen überhaupt eine Rolle spielt und ob sich die Kultur der Börsen nicht immer weiter in Richtung Manipulation bewegt.

Die Kleinanleger haben in dem teilweise unwürdigen Spiel gegen die großen Banken und Fonds nur wenige Chancen. Die teilweise völlig undurchsichtigen Finanzprodukte werden selbst von Fachleuten kaum noch verstanden. Mit gewaltigen Summen spekulieren institutionelle Anleger mit Hebelprodukten gegen Länder oder Währungen. Sie können auch an fallenden Kursen noch riesige Gewinne einstreichen und verschärfen damit die ohnehin ernste Lage von Staaten. Die Regierungen vieler Länder möchten dem gern Riegel vorschieben, doch sind keine flächendeckenden Einigungen zu erzielen. Die mächtige Bankenlobby hat sich dagegen bisher fast immer erfolgreich zur Wehr gesetzt.

Die Kultur der westlichen Staaten wird immer mehr durch Gier und fehlende Moral beeinträchtigt. Politiker machen sich gegenseitig Vorwürfe über die Zustände, bieten dauernd neue Lösungen an und setzen dann kaum etwas davon um. An den Börsen zählt nur der Gewinn. Es spielt dabei keine Rolle, ob Existenzen in Firmen oder Ländern vernichtet werden. Der Handel ist fast anonym. Computer und Software wickeln viele Geschäfte automatisch ab. Der Mensch greift nur noch selten ein. Unverständlich für den normalen Verbraucher sind die entsetzten Gesichter der Börsenhändler, wenn eine Software automatisch riesige Werte durch Verkauf zu Billigkursen automatisch vernichtet hat. Warum greift der Mensch nicht mehr ein und liefert sich den Automaten aus?

Die Moral und die Verantwortlichkeit wird immer mehr abgeschoben. Niemand möchte die Schuld auf sich nehmen. Angeblich bestimmt Hysterie und panisches Verhalten die Börsen. Das Gegenteil ist der Fall. Irgendeinen Käufer haben alle diese Wertpapiere ja gefunden. Sie liegen nun in den Depots von Banken und institutionellen Anlegern. Dort warten sie auf den nächsten Börsenhype und fahren dabei riesige Kursgewinne ein. Wenn es dann an der Zeit ist, organisiert man den nächsten Börsencrash und beginnt das Spiel von vorn.

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